Die Schnitte oder modern: Die Cuts
Nicht jedes Steak ist gleich. Der Schnitt bestimmt Fettgehalt, Faserstruktur und Geschmacksintensität – und damit den Wein.
Filet
Das zarteste Stück vom Rind stammt aus der inneren Lendenmuskulatur des Rückens. Der Muskel wird kaum belastet, das Fleisch ist fast fettfrei, die Fasern sind kurz und fein. Ein Filet wird sanft gebraten, die Kruste bleibt dezent – Röstaromen sind hier nur bedingt erwünscht, weil sie das feine Fleischaroma überdecken.
Der Wein dazu braucht wenig Tannin und viel Feinheit.
Pinot Noir ist der Klassiker: dünne Schale, wenig Gerbstoff, viel Frucht und Tiefe. Ein gereifter
Spätburgunder aus Baden oder ein Burgunder mit etwas Flaschenreife bringt die nötige Geschmeidigkeit mit. Wer aus
Piemont trinken will: ein gereifter Barolo, bei dem die Gerbstoffe durch Lagerung weich geworden sind. Auch ein
Nebbiolo aus dem Langhe funktioniert – jünger, direkter, aber mit der gleichen feinen Säure.
Im Sommer ist ein Rosé aus der Provence eine gute Alternative. Die Mineralität passt zum mageren Fleisch, und die Frucht hält dem dezenten Aroma stand.
Hüftsteak
Aus dem Hüferscherzel geschnitten – sehnenfrei, mager, kaum marmoriert. Das Hüftsteak (Sirloin) hat einen ausgeprägten, etwas festeren Fleischgeschmack als das Filet, ohne dessen Zartheit zu erreichen. Durch den niedrigen Fettgehalt trocknet es bei zu langer Garzeit schnell aus – medium rare bis medium ist ideal.
Der Wein darf etwas mehr Körper haben als zum Filet, sollte aber nicht zu tanninreich sein, weil das magere Fleisch wenig Fett zum Abpuffern mitbringt. Ein
Merlot mit seiner weichen Frucht und den moderaten Gerbstoffen passt gut. Auch ein mittelgewichtiger Sangiovese – etwa ein Rosso di Montalcino – bringt genug Struktur, ohne das Fleisch zu erschlagen. Wer Burgund trinken will: ein Pinot Noir aus dem
Beaujolais (Cru-Lage, nicht der einfache) hat die richtige Balance aus Frucht und Frische.
Rumpsteak / Roastbeef
Aus dem hinteren Rücken, mit dem charakteristischen Fettrand an einer Seite. Der Fettrand sorgt für Saftigkeit – wer ihn vor dem Braten einschneidet, verteilt das auslaufende Fett und bekommt kräftige Röstaromen. Das Rumpsteak hat mehr Eigengeschmack als das Filet und verträgt deutlich mehr Wein.
Hier dürfen Tannine und Frucht kräftig sein.
Cabernet Sauvignon ist die erste Wahl – reinsortig oder als Bordeaux-Blend. Die straffen Gerbstoffe treffen auf den Fettrand und werden geschmeidig, die dunkle Frucht passt zu den Röstaromen.
Syrah von der nördlichen
Rhône funktioniert genauso gut, besonders aus Appellationen wie Hermitage oder Cornas, wo der Wein Pfeffer und dunkle Frucht mitbringt. Eine Cuvée von der südlichen Rhône – etwa aus Châteauneuf-du-Pape – bringt mehr Fülle und Wärme.
Malbec mit seinen kräftigen Gerbstoffen ist ein weiterer Kandidat, besonders zu medium gegartem Rumpsteak.
Ribeye / Entrecôte
Aus dem vorderen Rücken, mit dem Fettauge in der Mitte – das Steak der Kenner. Die ausgeprägte Marmorierung macht das Ribeye besonders saftig und geschmacksintensiv. Das Fettauge schmilzt bei medium nicht komplett, das Fleisch bleibt reich an intramuskulärem Fett.
Mehr Fett bedeutet: der Wein darf mehr Säure haben. Gleichzeitig braucht ein Ribeye nicht die ganz schweren Tannine, weil die Röstaromen meist moderater sind – das Ribeye wird typischerweise nur kurz gebraten, um die feinen Fleischaromen nicht zu überdecken.
Ein
Barbera aus dem
Piemont bringt die richtige Kombination: hohe Säure, moderate Tannine, dunkle Kirschfrucht. Auch ein Chianti Classico funktioniert gut – die Sangiovese-Säure schneidet sich durch das Fettauge. Ein
Lagrein aus
Südtirol mit Fassreife bringt Röstaromen vom
Barrique mit, die zur Grillkruste passen, und genug Frische für das fettreiche Fleisch.
T-Bone / Porterhouse
Zwei Cuts am Knochen: Roastbeef auf der einen, Filet auf der anderen Seite des T-förmigen Knochens. Das T-Bone stammt aus der unteren Rippe und kommt typischerweise auf den Grill – entsprechend kräftige Röstaromen. Das Porterhouse ist der größere Bruder mit mehr Filetanteil.
Der Wein muss hier beides können: genug Struktur für das kräftige Roastbeef, genug Feinheit für das zarte Filet. Der Knochen gibt beiden Teilen zusätzlich Umami. Ein Sangiovese – Brunello di Montalcino aus dem großen Fass – hat die Säure und die Tannine für das Roastbeef, bleibt aber fein genug für den Filetanteil.
Cabernet Franc von der Loire ist eine interessante Alternative: weniger Tannin als Cabernet Sauvignon, dafür kräutrig und mit guter Säure.
Auch hier funktioniert Syrah von der Rhône, oder ein kräftiger Blend aus dem
Languedoc.
Flanksteak
Aus dem Bauch des Rinds, mit langen Fasern und guter Marmorierung. Kräftiger Geschmack, etwas rustikaler als die Rückenstücke. Wird gerne mariniert und darf maximal medium rare gegart werden – bei längerer Garzeit wird es zäh.
Der kräftige Eigengeschmack verträgt ebenso kräftige Weine. Ein saftiger Barbera, ein
Carignan aus dem Languedoc oder ein
Mourvèdre-betonter Blend passen zur rustikalen Art dieses Cuts. Wenn das Flanksteak eine asiatische Marinade bekommt – Soja, Ingwer, Chili – funktioniert Rotwein nicht mehr. Dann lieber ein gereifter trockener
Riesling oder ein kräftiger
Chardonnay.