Thomas Henke - Wein von Winzern als Beruf
Seit 1998 betreibe ich den Weinhandel weinraum.
Was aus dem Nichts begann, ist inzwischen eine erfreuliche Zahl von Kunden geworden, die «Wein aus gutem Grund» gerne bestellen.
Ich importiere ausschliesslich direkt von Winzern aus Frankreich und Italien. Nie über Grosshandel oder Agenten.
Nur Winzer, deren Reben in natürlichem Gleichgewicht wachsen, die ihre Weine natürlich vergären und deren Weine auch so schmecken: natürlich.
Die meisten dieser Zusammenarbeiten bestehen seit über 20 Jahren.
Was die Winzer gemein haben: Der Sinn ihrer Arbeit ist, Sinnvolles zu tun:
- Wein als handwerklich gut gemachtes Lebensmittel
- Wein, der Freude bereitet, nicht langweilig ist, aber auch nicht gewollt «anders».
- Wein, den sie natürlich erzeugen. Technik - etwa die Kühlung - unterstützt dieses natürliche Entstehen der Weine, formt sie nicht. Nie.
Sagt das nicht jeder, irgendwie? Es gibt kaum etwas im Supermarkt, was nicht aus einer «Manufaktur» stammen soll, «bio» ist oder ein anderes Label aufgedruckt hat.
Zeit ist der Unterschied
Der Unterschied, den man merkt ist die Zeit, die von den Winzern aufgewendet wurde.
Zeit, für die Bearbeitung der Böden, der Reben. Zeit für das Herausschneiden unreifer oder fauler Trauben an den Reben vor der Lese.
Zeit für das Sortieren der Beeren vor der Maische, das handwerkliche Lockern der Maische und nicht einfach Pumpen laufen zu lassen.
Kleinigkeiten, die man heute anders machen kann. Das spart Geld, schmeckt am Ende auch.
Zeit, aufgewendet für diese Kleinigkeiten gibt den Weinen etwas, für das die Punktesysteme keinen Maßstab haben: Gleichgewicht. Die Weine werden ausgewogen ausdrucksvoll, nicht beeindruckend.
Es entstehen Weine, die besonders zum Essen hervorragend passen.
Merkt man das auch ohne viel von Wein zu verstehen? Ja. Deutlich.
— Thomas Henke
Winzer und Weine kennen
Besuche bei Winzern sind für mich als Händler genauso nett wie für Touristen. Den Keller werden auch Touristen sehen, als Händler - der danach fragt - werden mir auch die verschiedenen Weinberge gezeigt.
Was mitunter viel Gurkerei durch abgelegene Landschaft bedeutet. Was auffällt: sehen die Reben lebendig, gesund aus oder wie die Tiere im Zoo? Sie leben offensichtlich, sind aber leblos.
Kunden schätzen die Weine, weil sie sie als verlässlich wahrnehmen. Das bedeutet nicht, dass allen Kunden alles schmeckt, denn die Weine sollen Eigenschaften haben. Ecken, Kanten. Kein Geschöpf des Punkte-Kosmos.
Raisonable
Zwei Jahre habe ich in Frankreich gelebt, war vorher lange als Ingenieur in Kontakt mit Kunden in Frankreich. Ein Wort, das für mich die Arbeit mit Frankreich bedeutet: raisonable. Alles hat oder soll seinen Grund haben. Es werden weder unsinnige Geschichten erzählt, noch beschissen. Die Zusammenarbeit mit französischen Winzern ist seit über 25 Jahren vertrauensvoll — auch mit neuen Kontakten.
Aus Italien stammen einige Winzer, die besondere Rebsorten erzeugen — aus dem Piemont oder dem Friaul. Auch diese Zusammenarbeit ist zum Teil über 20 Jahre gewachsen.
Vom Winzer direkt importiert, zu Preisen, die meist denen ab Weingut entsprechen — das 1000 bis 2000 Kilometer weit weg liegt.