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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Lexikon

Spontangärung

Gärung mit den natürlichen Hefen

Gärung

Die Aromen eines Weines stammen aus der Gärung

Hefen

Bei der Spontangärung arbeiten Dutzende verschiedener Hefestämme am Most — nacheinander, teils gleichzeitig. Jeder Stamm hinterlässt andere Aromen.

Weinberg

Nur ein biologisch intakter Weinberg gestattet Spontangärung. Das geht weit über bio Zertifizierung hinaus.

Die feinen Nuancen im Wein entstehen bei der Gärung durch Hunderte flüchtiger Stoffe – und die nimmt ausschließlich die Nase wahr. Wilde Hefen produzieren besonders viele Aromen.

Klang und Aroma können dumpf sein. Beim Wein ist die Gärung für die Aromen prägend und die Spontangärung sorgt für die feinen Noten
Haben Sie schon einmal im Gespräch jemandem ein Lied vorspielen wollen, das Sie gerade begeistert? Aus dem kleinen Telefon kommen nur flache Töne. Es fehlt die Klangtiefe, der Reichtum der Musik.
Nicht so extrem, aber ähnlich ist es bei vielen Weinen: Sie wirken etwas flach, es fehlt Tiefe und Facetten.
Was bei der Musik der viel zu kleine Lautsprecher bewirkt, passiert bei Wein früher – bei seiner Erzeugung, genauer: bei der Gärung.

Falls Sie gerade den Faden verloren haben: bleiben Sie dran. Hier lernen Sie etwas über den Genuss von Wein.

Die Nase nimmt die Feinheiten auf


Fast alles, was wir als Geschmack wahrnehmen, kommt über die Nase. Der Mund erkennt nur vier oder fünf Grundrichtungen. Die feinen Unterschiede im Wein entstehen durch Tausende flüchtiger Stoffe – und die nimmt ausschließlich die Nase wahr.
Vielen ist das nicht bewusst: Sie möchten Essen oder Wein «schmecken», also im Mund haben. Das ändert nichts: Die Zunge schmeckt fast nichts, aber Mund und Nase sind verbunden.
Um Feinheiten im Wein wahrzunehmen, muss die Nase arbeiten. Deshalb drehen Weintrinker ihre Gläser oder kauen den Wein scheinbar affig: Beides bringt die Aromen zur Nase.

Spontan vergorene Weine von der Rhône

DIe Beeren werden verrieben, damit der Saft austritt und in einem Gärtank beginnt die Gärung.

Was hat das mit der Art der Gärung zu tun?


Es geht um die Feinheiten im Wein, nicht um das Laute.
Das Aroma von Wein entsteht im Wesentlichen bei der Gärung: Hefen verarbeiten den Most.
Im Saft der Trauben steckt kaum etwas von dem, was später den Wein ausmacht.
Ob der Wein wirkt wie Musik aus dem Telefon oder «klingt» wie ein Instrument, entscheidet sich daher bei der Gärung.

Die Hefen treten auf


«Normaler» Wein wird vergoren, indem gezüchtete Hefen zum Most gegeben werden. Der Alkohol ist eher ein Nebenprodukt; Hefen verarbeiten den Zucker, um sich zu ernähren, und dabei entsteht der Alkohol. Die meisten Aromen entstehen, wenn die Hefen andere Stoffe als den Zucker verarbeiten, um daraus die Baustoffe für ihr Wachstum zu gewinnen.
Wein ist nicht Traubensaft mit Alkohol.
Mit Zuchthefen funktioniert das zuverlässig und kontrolliert. Ein wenig wie Musik aus dem Telefonlautsprecher – übertrieben, aber treffend. Es ist eine Hefe, darauf gezüchtet diese Aufgabe zuverlässig und ohne große Varianten zu erledigen. Der Most wird immer zu Wein und die Feinheiten sind Schnickschnack.
Die Industrie, die solche Hefen züchtet ist stark auch in Details: Es gibt Hefestämme, die gezielt auf einzelne Gärschritte optimiert wurden. Hefen, die Thiol-Vorstufen besonders effizient freisetzen. Hefen, die Apfelsäure schneller abbauen. Hefen, die tropische oder florale Noten verstärken, auch wenn die Traube solche Aromen natürlich nicht hervorbringen würde.

Darum schmeckt vieles ähnlich.

Die spontane Gärung


Bei der Spontangärung arbeitet keine gezüchtete Hefe, es sind Hefen, die sich im Weinberg gebildet haben.
Im Gegensatz zur Zuchthefe ist es aber nicht ein Stamm, sondern Dutzende Stämme, die im Weinberg auf den Trauben gewachsen sind. Die arbeiten nicht gemeinsam in einem Rutsch. Manche vertragen nur wenig Alkohol und hören früh auf. Andere starten erst, wenn die ersten abgestorben sind. Jeder Stamm greift andere Bestandteile im Most auf, jeder hinterlässt andere Stoffe im Wein.

Wie immer im Leben: Vor- und Nachteile


Die Spontangärung konserviert das Terroir, den Verlauf des Jahres, die Arbeit der Winzer im Wein.

Das Risiko


Es kann bei der spontanen Gärung auch Unerwünschtes passieren: nichts. Die Gärung startet nicht und der Most steht tagelang im Tank. Oder die Gärung startet zwar, aber es beginnt nach einiger Zeit komisch aus dem Tank zu riechen. Fehltöne entstehen.

Empfindliche Hefen


Auf jeder gesunden Traube leben Dutzende verschiedener Hefestämme. Jede dieser Stämme hat ihren Lebensraum. Manche brauchen bestimmte Stoffe, um aktiv werden zu können, andere vertragen nur wenig Alkohol oder keine tiefen oder hohen Temperaturen.
Die Gärung produziert Stoffe, die dann weiterverarbeitet werden, und nur gesunde Hefen ergeben einen angenehmen Wein. Ein Essigton ist auch für den Most eine Fehlentwicklung.
Dieses Nacheinander und Nebeneinander erzeugt die Aromen, die spontan vergorene Weine von konventionellen unterscheiden. Es sind Thiole, Terpene, Hunderte flüchtiger Verbindungen — sie stammen nicht aus einer einzigen Quelle, sondern aus dem Zusammenwirken vieler.
Und daraus entstehen leicht auch die Fehltöne – das Risiko der Spontangärung.

Die Hefen entstehen


Die Hefen der Spontangärung wachsen nicht im Keller, was gerne erzählt wird. Sie sitzen auf den Trauben, auf den Blättern und im Boden zwischen den Reben. Der Weinberg bringt sie hervor.
Wer intensiv spritzt, stark düngt oder Herbizide einsetzt, hat zwar saubere Reben, aber kaum noch Hefen. Die Gärung startet schlecht oder kippt. Biologischer Weinbau ist eine Eintrittkarte, keine Garantie. Bio verbietet manches, bedeutet aber keine Qualität in irgendeiner Form.
Winzer, die spontan vergären wollen, pflanzen Begrünung zwischen und neben den Reben, um Nützlingen Raum zu geben, den Boden zu pflegen. Die Übergänge und Unterschiede hängen von der Region, dem Weinberg ab und sind fließend. Es gibt kein Gut oder Schlecht – aber einen Unterschied im Ziel: Beim biologischen- oder Naturweinanbau ist der Weg das Ziel. Wer spontan gären will, hat den Wein als Ziel.

Spontan vergorene Weine aus dem Languedoc

Vertrauen statt Etikett


Der Begriff Spontangärung ist nicht geschützt — wie Manufaktur steht er mittlerweile auf vielen Flaschen. Was dahinter steckt, entscheidet der Erzeuger, nicht das Etikett.
Wer einen spontan vergorenen Wein im Glas hat — einen echten — merkt den Unterschied. Nicht wenige sagen dann: ja, verstehe, aber der andere ist mir lieber, weniger anstrengend, einfach süffiger. Völlig in Ordnung. Andere wollen danach nicht mehr zurück.

Es ist auch keine Glaubensfrage. Im weinraum vergären viele Winzer wie Modat im Roussillon spontan, manche bei allen Weinen, wie Gramiller und Brusset. Andere nur bei ihren Lagenweinen wie Riere-Cadène. Für einen einfacheren Wein, der frisch und unkompliziert sein soll, kann Reinzuchthefe die sinnvollere Entscheidung sein — weniger Risiko, niedrigerer Preis, sauberes Ergebnis. Die Domaine Terres Georges etwa hat sich gegen eine Begrünung entschieden, weil das bei ihren Weinbergen zu flachen Wurzeln der Reben führte und damit eine Spontangärung zu riskant wäre. Sie geben sich trotzdem die nötige Mühe im Weinberg und die Weine sind hervorragend. Und vergleichsweise günstig

Spontangärung lohnt sich dort, wo ein terroir es wert ist, hörbar zu werden: auf einer Lage, deren Boden und Klima etwas Eigenes mitbringen, das eine Einheitshefe überdecken würde. Es hängt auch von der Lage der Weinberge ab. Im Corbières etwa verwenden die Domaine des Deux Ânes, Domaine Montluzia und im Fitou Domaine Balansa nur die natürlichen Hefen - die Weinberge stehen fast ständig in der Sonne und im Wind. Die Trauben sind natürlich sehr gesund und dann ist eine solche Arbeitsweise viel leichter als in einem anderen Landstrich.

Die Entscheidung liegt beim Winzer. Sie ist eine Abwägung zwischen Aufwand, Risiko und dem, was der Wein am Ende zeigen soll.
Man muss nur eins machen: die Nase spitzen und sich etwas Zeit lassen.

Bergerac, Burgund und Südwesten - einige ihrer spontan vergorenen Weine