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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Regionen

Weine, die mit dem Mistral entstehen

Aquarell und Tusche Zeichnung einer Rebe im Mistral Wind, Blätter fliegen im Wind
Der Mistral ist ein Wind – und doch gehört er zu den prägenden Bedingungen vieler Weinberge der südlichen Rhône und der Provence.
Der kalte, trockene Nordwind strömt durch das Rhône-Tal nach Süden und erreicht mit hoher Geschwindigkeit die Weinberge. Im Languedoc wehen mit Tramontane und Cers ähnliche Winde, die jedoch aus einer anderen Richtung kommen und andere Landschaften prägen.

Seine wichtigste Wirkung ist die Trockenheit. Der Mistral bringt trockene Luft und bewegt sie mit großer Geschwindigkeit durch den Weinberg. Nach Regen trocknen Blätter und Trauben deshalb schnell ab. Feuchtigkeit bleibt nicht lange auf der Beerenhaut stehen, die Luft zwischen den Reben wird ständig ausgetauscht. Das erschwert Pilzkrankheiten wie Falschen Mehltau und Grauschimmel die Ausbreitung und hält die Trauben gesund. Gerade in den niederschlagsarmen Regionen der südlichen Rhône und der Provence ist das ein erheblicher Vorteil: Der Weinbau kann mit vergleichsweise wenig Pflanzenschutz auskommen.

Der Mistral hat aber noch eine zweite Seite. Die trockene, bewegte Luft erhöht die Verdunstung und damit den Wasserverlust der Rebe. In einem ohnehin trockenen Sommer kann daraus erheblicher Wasserstress entstehen. Ein mäßiger Wasserstress ist für die Rebe durchaus erwünscht: Die Beeren bleiben kleiner und die Pflanze wächst weniger stark. Wird der Stress jedoch zu groß, schließt die Rebe ihre Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen. Damit geht die Photosynthese zurück, und die Reife kann ins Stocken geraten. Der Mistral hilft der Rebe also nur so lange, wie ihr noch ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Auch die Temperatur wird vom Mistral beeinflusst. Der Wind kann die Reben nach heißen Tagen abkühlen und sorgt zusammen mit den häufig klaren Nächten für eine größere Abkühlung zwischen Tag und Nacht. Das hilft, die Säure und aromatische Frische der Trauben zu bewahren. Die südliche Rhône und die Provence bleiben trotzdem heiße Weinbauregionen. Der Mistral macht aus ihnen kein kühles Klima – er mildert lediglich dessen Extreme.

Seine Kraft verlangt außerdem Anpassung. Starke Böen können junge Triebe beschädigen und trockene, offene Böden zusätzlich austrocknen. In exponierten Lagen spielt deshalb die Erziehungsform eine Rolle; niedrige Buschreben sind gegenüber starkem Wind weniger anfällig als hohe, frei stehende Triebe.

Schmecken lässt sich der Mistral nicht unmittelbar. Er hinterlässt kein eigenes Aroma im Wein. Seine Wirkung entsteht über das Klima des Weinbergs: durch trockene und gesunde Trauben, geringeren Pilzdruck, stärkere Verdunstung und den Einfluss auf Wasserhaushalt und Reife. Der Mistral ist ein Beispiel dafür, wie eine klimatische Bedingung den Charakter eines Weinbergs, das Terroir, prägen kann, ohne selbst Bestandteil des Weines zu werden.