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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Lexikon

Die französischen Weinkategorien

Ursprung

Die AOC entstand 1935 als Antwort auf massiven Weinbetrug. Baron Le Roy und Senator Capus schufen ein System, das Herkunft, Rebsorten und Herstellung an ein definiertes Gebiet bindet.

Reform

Seit 2009 gelten europaweit drei Stufen: AOP (strenge Herkunftsbindung), IGP (regionaler Rahmen mit Spielraum) und Vin de France. AOC darf auf französischen Weinetiketten weiterhin stehen.

Kontrollen

Die AOP verlangt eine unabhängige Prüfung der gesamten Produktionskette — vom Weinberg bis zur Flasche. Das ist strenger als das alte AOC-System, das sich oft auf Einzelproben beschränkte.

Diese Bezeichnungen deuten grob in eine Richtung, der ein Wein vermutlich folgen wird. Die Handschrift, die Details, die den Wein ausmachen, gestalten die Winzer. Die Vorgaben sind für mehr für industrielle Weine gedacht.

Vorschriften im Weinwald wirken oft seltsam

Wie die Buchstaben auf das Etikett kamen


Wer französischen Wein kauft, begegnet drei Kürzeln: AOP, IGP und Vin de France. Was hinter den Buchstaben steckt, ist keine Bürokratie — es ist die Geschichte eines Betrugs und seiner Folgen.

Betrug als Geburtshelfer


Anfang des 20. Jahrhunderts war französischer Wein ein Betrugsfeld. Händler verkauften algerischen Verschnitt als Burgunder, Languedoc-Wein reiste als Bordeaux nach Norden, und auf den Etiketten stand, was sich am besten verkaufte. Das betraf nicht nur Billigwein: selbst in der Champagne landeten Trauben aus Gebieten, die mit der Region nichts zu tun hatten.
Die Gesetze von 1905 und 1919 versuchten, die Herkunft zu schützen, griffen aber zu kurz — sie regelten nur die geographische Abgrenzung, nicht die Art der Herstellung. In Châteauneuf-du-Pape, wo der Betrug besonders dreist war, nahm ein Winzer und Jurist die Sache selbst in die Hand: Baron Pierre Le Roy de Boiseaumarié entwarf 1923 gemeinsam mit den Winzern der Gemeinde ein Regelwerk, das nicht nur die Herkunft der Trauben festschrieb, sondern auch erlaubte Rebsorten, Erträge und Mindestalkohol. Zusammen mit dem Senator und Agrarwissenschaftler Joseph Capus brachte er dieses Modell auf die nationale Ebene. Am 30. Juli 1935 wurde per Dekret das Comité National des Appellations d'Origine (CNAO) geschaffen — die Vorgängerinstitution des heutigen INAO. Am 15. Mai 1936 erkannte Präsident Albert Lebrun die ersten sechs Appellations d'Origine Contrôlée an: Arbois, Cassis, Châteauneuf-du-Pape, Monbazillac, Tavel und Cognac.

AOC — die französische Stufe


Die Appellation d'Origine Contrôlée (AOC) definiert ein abgegrenztes Gebiet, in dem ein Wein unter genau festgelegten Bedingungen erzeugt werden muss. Das Regelwerk — die «cahiers des charges» — schreibt für jede Appellation einzeln vor, welche Rebsorten zugelassen sind, wie dicht die Reben stehen, welche Höchsterträge gelten, wie gelesen, vergoren und ausgebaut werden darf. In Burgund allein existieren über hundert dieser Appellationen, von der regionalen Ebene (Burgund) über Gemeinden (Gevrey-Chambertin) bis hinunter zu einzelnen Lagen (Chambertin Grand Cru).
Bis 2009 bildete die AOC die Spitze eines vierstufigen Systems. Darunter lag die VDQS (Vin Délimité de Qualité Supérieure) als Vorstufe, dann die Vin de Pays als regionale Landweine, und am unteren Ende der Vin de Table ohne jede Herkunftsangabe.

2009 — Brüssel ordnet neu


Mit der EU-Weinmarktreform von 2009 wurde dieses System vereinfacht und an die europäischen Nachbarländer angeglichen. Aus vier Stufen wurden drei. Die AOC wurde zur AOP (Appellation d'Origine Protégée), der Vin de Pays zur IGP (Indication Géographique Protégée), der Vin de Table zum Vin de France. Die VDQS wurde ersatzlos gestrichen.
In der Sache änderte sich mehr als nur die Abkürzung. Die AOP verlangt eine unabhängige Prüforganisation, die den gesamten Betrieb kontrolliert — nicht nur eine Probe aus einem Fass, sondern die Produktionskette vom Weinberg bis zur Flasche. Die Bindung an den Boden ist strenger gefasst als unter der alten AOC.
Für Wein — und nur für Wein — hat Frankreich allerdings eine Sonderregel erwirkt: auf dem Etikett darf weiterhin AOC stehen. Die meisten Winzer nutzen das. Wer also AOC auf einer Flasche liest, sieht nicht das alte System, sondern das neue unter einem vertrauten Namen.

IGP — Freiheit im Rahmen


Die Indication Géographique Protégée ersetzt die frühere Vin de Pays-Kategorie und gibt Winzern deutlich mehr Spielraum. Die Gebiete sind größer, die Rebsortenauswahl weiter gefasst, die Vorschriften zur Herstellung weniger detailliert. Ein Pays d'Oc IGP im Languedoc darf Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah oder Viognier sortenrein abfüllen — unter AOP-Regeln wäre das in vielen Appellationen ausgeschlossen.
Die IGP erlaubt, was das strenge Appellationssystem manchmal verhindert: Rebsorten, die im Gebiet gut gedeihen, aber nie dort zugelassen waren. Für Winzer, die mit internationalen Sorten arbeiten oder Verschnitte jenseits der Tradition suchen, ist die IGP der einzige Weg zur Herkunftsangabe.

Vin de France — ohne Geographie


Am unteren Ende steht der Vin de France: keine geographische Bindung, keine Vorschriften zu Rebsorten oder Erträgen. Die Trauben dürfen aus beliebigen französischen Regionen stammen. Im Unterschied zum alten Vin de Table darf das Etikett seit 2009 Rebsorte und Jahrgang nennen — eine Neuerung, die den Verkauf erleichterte.
Bemerkenswert ist, dass in den letzten Jahren zunehmend Winzer freiwillig auf ihre AOP-Klassifikation verzichten und Vin de France wählen. Nicht aus Mangel an Qualität, sondern weil die starren AOP-Regeln Entscheidungen verhindern, die sie im Weinberg und Keller für richtig halten: andere Rebsorten, längere Reifezeiten, unkonventionelle Verschnitte. Spontangärung, Ausbau ohne Schwefelzusatz, hybride Rebsorten zur Klimaanpassung — vieles davon fällt durch das Raster der Appellation.

Was die Buchstaben nicht sagen


AOP garantiert die Einhaltung eines Regelwerks. Sie garantiert nicht, dass der Wein gut ist. Ein sorgfältig gearbeiteter IGP aus dem Languedoc kann mehr über seinen Boden erzählen als ein nachlässig erzeugter AOP aus einer berühmten Appellation. Die Buchstaben auf dem Etikett zeigen, welchen Regeln ein Winzer folgt — nicht, wie er arbeitet.

Die besten Weine sind oft unterste Schublade


Viele Winzer, die hervorragende Weine erzeugen, richten sich nicht nach diesen oft unsinnigen Vorgaben. Die Domaine Balansa etwa erzeugt reinsortige Weine und die laufen als Vin de France, weil im Corbières und Fitou nur Assemblages zugelassen sind. Der falsche deutsche Begriff hierfür ist übrigens Cuvée.

AOC — die französische Stufe


Die Appellation d'Origine Contrôlée (AOC) definiert ein abgegrenztes Gebiet, in dem ein Wein unter genau festgelegten Bedingungen erzeugt werden muss. Das Regelwerk — die «cahiers des charges» — schreibt für jede Appellation einzeln vor, welche Rebsorten zugelassen sind, wie dicht die Reben stehen, welche Höchsterträge gelten, wie gelesen, vergoren und ausgebaut werden darf. In Burgund allein existieren über hundert dieser Appellationen, von der regionalen Ebene (Burgund) über Gemeinden (Gevrey-Chambertin) bis hinunter zu einzelnen Lagen (Chambertin Grand Cru).
Bis 2009 bildete die AOC die Spitze eines vierstufigen Systems. Darunter lag die VDQS (Vin Délimité de Qualité Supérieure) als Vorstufe, dann die Vin de Pays als regionale Landweine, und am unteren Ende der Vin de Table ohne jede Herkunftsangabe.

2009 — Brüssel ordnet neu


Mit der EU-Weinmarktreform von 2009 wurde dieses System vereinfacht und an die europäischen Nachbarländer angeglichen. Aus vier Stufen wurden drei. Die AOC wurde zur AOP (Appellation d'Origine Protégée), der Vin de Pays zur IGP (Indication Géographique Protégée), der Vin de Table zum Vin de France. Die VDQS wurde ersatzlos gestrichen.
In der Sache änderte sich mehr als nur die Abkürzung. Die AOP verlangt eine unabhängige Prüforganisation, die den gesamten Betrieb kontrolliert — nicht nur eine Probe aus einem Fass, sondern die Produktionskette vom Weinberg bis zur Flasche. Die Bindung an den Boden ist strenger gefasst als unter der alten AOC.
Für Wein — und nur für Wein — hat Frankreich allerdings eine Sonderregel erwirkt: auf dem Etikett darf weiterhin AOC stehen. Die meisten Winzer nutzen das. Wer also AOC auf einer Flasche liest, sieht nicht das alte System, sondern das neue unter einem vertrauten Namen.

IGP — Freiheit im Rahmen


Die Indication Géographique Protégée ersetzt die frühere Vin de Pays-Kategorie und gibt Winzern deutlich mehr Spielraum. Die Gebiete sind größer, die Rebsortenauswahl weiter gefasst, die Vorschriften zur Herstellung weniger detailliert. Ein Pays d'Oc IGP im Languedoc darf Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah oder Viognier sortenrein abfüllen — unter AOP-Regeln wäre das in vielen Appellationen ausgeschlossen.
Die IGP erlaubt, was das strenge Appellationssystem manchmal verhindert: Rebsorten, die im Gebiet gut gedeihen, aber nie dort zugelassen waren. Für Winzer, die mit internationalen Sorten arbeiten oder Verschnitte jenseits der Tradition suchen, ist die IGP der einzige Weg zur Herkunftsangabe.

Vin de France — ohne Geographie


Am unteren Ende steht der Vin de France: keine geographische Bindung, keine Vorschriften zu Rebsorten oder Erträgen. Die Trauben dürfen aus beliebigen französischen Regionen stammen. Im Unterschied zum alten Vin de Table darf das Etikett seit 2009 Rebsorte und Jahrgang nennen — eine Neuerung, die den Verkauf erleichterte.
Bemerkenswert ist, dass in den letzten Jahren zunehmend Winzer freiwillig auf ihre AOP-Klassifikation verzichten und Vin de France wählen. Nicht aus Mangel an Qualität, sondern weil die starren AOP-Regeln Entscheidungen verhindern, die sie im Weinberg und Keller für richtig halten: andere Rebsorten, längere Reifezeiten, unkonventionelle Verschnitte. Spontangärung, Ausbau ohne Schwefelzusatz, hybride Rebsorten zur Klimaanpassung — vieles davon fällt durch das Raster der Appellation.

Was die Buchstaben nicht sagen


AOP garantiert die Einhaltung eines Regelwerks. Sie garantiert nicht, dass der Wein gut ist. Ein sorgfältig gearbeiteter IGP aus dem Languedoc kann mehr über seinen Boden erzählen als ein nachlässig erzeugter AOP aus einer berühmten Appellation. Die Buchstaben auf dem Etikett zeigen, welchen Regeln ein Winzer folgt — nicht, wie er arbeitet.

Die besten Weine sind oft unterste Schublade


Viele Winzer, die hervorragende Weine erzeugen, richten sich nicht nach diesen oft unsinnigen Vorgaben. Die Domaine Balansa etwa erzeugt reinsortige Weine und die laufen als Vin de France, weil im Corbières und Fitou nur Assemblages zugelassen sind. Der falsche deutsche Begriff hierfür ist übrigens Cuvée.