Zeitpunkt der Lese
Gleiches gilt, wenn Regen zur erwarteten Lese vorhergesagt ist - hier ruft die Entscheidung zwischen Anfangen und Abwarten auch bei sehr bodenständigen Persönlichkeiten Nervosität hervor.
Ein paar Tage mehr können den entscheidenden Gewinn an Farbe, Extrakt und Aroma bringen. Verwässert der Regen nach einem Tag zu viel des Wartens doch die Lese, kann auch ein sehr guter Jahrgang viel von seiner Qualität einbüßen.
Der Zucker in den Beeren ist relativ gutmütig - er bleibt hoch und steigt auch recht lange an. Trotzdem kann eine zu späte Lese das Aroma des Weines merklich herabsetzen.
Denn zum Wein gehört Säure und die nimmt zum Ende des Sommers in den Beeren ab. Säure klingt nicht schön, aber ohne Säure ist ein Wein langweilig. Zu viel an Säure kann dann unangenehm sein, das Problem ist jedoch fast immer ein Mangel an Säure in den Beeren und damit dem Wein.
Es reicht also nicht, nur nach dem Zucker zu schauen, sondern die Säure in den Beeren - die man schmecken muss oder auch analysieren kann - ist oft der limitierende Faktor beim Zeitpunkt der Lese. Man kann nicht zu lange warten.
Auch damit ist es nicht genug, denn das Aroma fällt weniger stark als die Säure.
Zumindest in gewissen Grenzen. Im Bild ist wieder ein Verlauf für einen warmen südlich gelegenen Weinberg gezeichnet. Die Beeren fangen an zu schrumpeln und faulen, wenn sie sehr lange im Herbst an den Reben hängen. Sie erreichen nicht das Maximum an Farbe und Extrakt, das möglich wäre.
In südlichen Regionen werden die Weinberge immer früher gelesen als im kühleren Norden, weil die Säure für die Winzer die wichtigere Stellgröße ist.
Die Beeren können ihre volle Farbe und Extrakt entwickeln und das Aroma nimmt während dieser letzten Wochen deutlich zu.
Feiner Wein aus dem Norden
Warum wird dann nicht aller Wein im kühlen Norden angebaut? Und warum sind die Weine im Norden zwar fein, aber nicht so voll wie im Süden? Es sind die Sorten. In kühlen Regionen wachsen nur wenige Rebsorten. Und die ergeben nicht so voll - aromatische Weine wie ein Syrah oder Carignan aus dem Süden.
Denn das begrenzende für die Reben sind nicht die Temperaturen im Herbst - es sind die kalten Nächte im Frühjahr, oft mit Frost. Hier überleben nur robuste Sorten und solche, die erst spät austreiben.